Thailand – traumhaft oder überbewertet?

Nachdem wir einige Zeit in Kambodscha unterwegs waren, ging es mit einem Van und einer Fähre von Siem Reap in Kambodscha nach Koh Chang in Thailand. Die Tour dauerte etwa neun Stunden. Damals empfand ich das noch als ordentliche Strecke. Mittlerweile gab es schon Strecken, die das bei Weitem übertreffen. Die Fähre fiel gefühlt fast auseinander, der Van war viel zu vollgestopft und es war unglaublich heiß-feucht. Auf Koh Chang angekommen, war es schon dunkel und wir mussten vom Fährterminal zum anderen Ende der Insel. Nach längerem Hin und Her aufgrund von Sprachbarrieren und anscheinend unbekanntem Hotel schafften wir es endlich. Das komplett leere Hotel lag direkt über dem Wasser auf einem Steg und entschädigte all die Strapazen des Tages.

Wir verbrachten fünf Tage auf der Insel. Die Zeit vertrieben wir uns mit Kajak fahren durch Mangroven, schnorcheln, schwimmen im Meer und im Hotelpool, viel essen, mit dem Roller durch die Gegend fahren und lesend in der Hängematte. Im Nachhinein bin ich immer wieder froh, dass ich diese Insel ausgewählt habe und nicht Ko Pha-ngan, Phi Phi Islands oder Phuket. Ich bin sicher, diese Inseln haben viel zu bieten und sind wundervoll, aber ich brauchte einfach Ruhe und hatte keine Lust auf Touristenströme. Natürlich gab es gerade auf diesem Teil der Insel, wo unser Hotel lag, kaum Aktivitäten oder andere Möglichkeiten, aber genau dies machte damals den Reiz aus.

Morgens stand ich extra 6 Uhr auf, um den Vögeln und Insekten zu lauschen. Keine Menschenseele weit und breit – nur ich mit meinem Buch und einem Glas gefüllt mit frischem Kokoswasser. Mein Ritual war, jeden Morgen bei Sonnenaufgang in den Pool zu hüpfen und ein paar Runden zu schwimmen. Zum Frühstück gab es auch hier wieder meine geliebten Bananenpancakes.

Mit dem Roller sind wir zu einer Elefanten Sanctuary gefahren. An sich eine sehr schöne Sache, aber das Elefantenreiten, welches ich damals ohne Bedenken mitgemacht habe, verurteile ich heute und würde ich nicht wieder mitmachen. Ich kann nur Jedem empfehlen, sich vorher über die Sanctuaries zu informieren und dann für sich selbst zu entscheiden, was gut und was weniger gut für die Tiere ist. Bei unserer Tour sind wir auf den eher abgelegeneren Teil der Insel gefahren. Dort kam uns kein Auto, kein Roller, kein Mensch entgegen. Irgendwann stoppten wir abrupt – vor uns sahen wir die eingebrochene Straße, die von den Regenmassen weggeschwemmt wurde. Das war ein merkwürdiger und auch angsteinflößender Anblick. Unvorstellbar in Deutschland! Über eine provisorische kleine Holzbrücke sind wir aber trotzdem noch weiter ins Unbekannte. Die scheinbar unberührte Landschaft faszinierte mich sehr und ab diesem Zeitpunkt zog es mich immer wieder in die Dschungel dieser Welt.

Die Zeit verging wie im Flug. Gut erholt ging es mit einer kleinen Propellermaschine von Koh Chang nach Bangkok. Die millionen Autos, das Geschrei und das allgemeine Chaos waren erstmal gewöhnungsbedürftig. Wir genossen es, die Stadt zu Fuß, im Tuk Tuk und auf dem Boot zu erkunden. Da ich zuvor noch nie Metropolen außerhalb der westlichen Welt besucht hatte, war Bangkok mehr als spannend und aufregend für mich. Aus jetziger Sicht würde ich behaupten, die meisten Städte in Asien und auch in Südamerika ähneln sich stark und ich bevorzuge eindeutig die ländlicheren Gegenden und allen voraus die Natur.

Ich verabschiedete mich von meinem Kumpel, der wieder zurück in die USA fliegen musste und machte mich auf zur letzten Etappe meiner Asien-Reise: Chiang Mai im Norden Thailands. Ursprünglich wollte ich unbedingt mit der Eisenbahn fahren. Leider war die Strecke ausgerechnet zu dieser Zeit nicht befahrbar und wurde gerade ausgebaut. Deshalb musste ich auf den Bus zurückgreifen. In Chiang Mai schaute ich mir unzählige Tempel an, schlenderte nachts über den größten Nachtmarkt Asiens und lernte viele nette Menschen aus den verschiedensten Ländern kennen. Für umgerechnet 2€ ließ ich mich zwei Mal eine Stunde lang bei einer Thaimassage so richtig durchkneten. Trotzdem es wirklich sehr angenehm war, hatte ich im Nachhinein Schmerzen und Muskelkater. Muss wohl so…

Bei einer Tagestour ging es für mich erstmalig auf eine Rafting Tour. Die hatte es ordentlich in sich, da wir uns in der Regenzeit befanden. Die anfängliche Angst dauerte etwa zwei Minuten an und wurde vom Adrenalinrausch abgelöst. Ich hatte unglaublich viel Spaß! Auch wenn man während der Aktion wenig von der Umwelt mitbekommt, ist die Szenerie rund um Chiang Mai beeindruckend. Berge, Wälder und Seen zogen auf der Rücktour an uns vorbei und ich bemühte mich, im Bus wach zu bleiben, um diesen Anblick ja nicht zu verpassen.

Thailand ist definitiv ein schönes Land, was an Natur viel zu bieten hat. Damals fand ich es toll und wollte unbedingt irgendwann zurück. Vom jetzigen Standpunkt wirkt das Land überbewertet – es hat seinen Zenit schon längst überschritten. Mir persönlich fehlt hier die Authentizität. Du solltest dir selbst ein Bild machen, denn wir alle wissen, dass vor allem die subjektiven Erlebnisse eine Reise so besonders und unvergesslich machen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Chiara sagt:

    Danke für den ehrlichen Beitrag! Ist ja im Moment wirklich zu einem Trend-Land geworden. Ich hab mir Thailand bisher noch nicht angesehen. Die Bilder sehen nichts desto trotz traumhaft aus!

    Liebe Grüße
    Chiara von http://www.ChiarasCompass.com

    Gefällt 1 Person

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