Entdeckungstour in der Walachei

Über Ostern sind wir nach Bukarest geflogen und haben vier schöne Tage in der rumänischen Hauptstadt verbracht. Donnerstagabend am Flughafen angekommen, haben wir einfach und schnell den 783er Bus gefunden, der uns dann in die Innenstadt brachte. Da es recht spät war und wir bereits einen Arbeitstag hinter uns gebracht hatten, sind wir direkt ins Hotel und ab ins Bett.

Am Tag darauf haben wir uns nach dem Frühstück für die walkabout Walking Tour entschieden. So konnten wir direkt einige interessante Fakten zur Geschichte der Stadt und ein paar Tipps für unsere Tagesgestaltung sammeln. Auf dem Unirii Platz wurden wir von den Guides in zwei Gruppen eingeteilt und durften die nächsten 2,5h mit Mihaela verbringen. Die Tour am ersten Tag zu machen, können wir dir sehr empfehlen.

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Mihaela (in witzigem Shirt) und Jasmin

Vom Schäfer Bucur und dem Fürsten Dracula

Ihren Namen verdankt die Stadt einem Schäfer namens Bucur, wörtlich übersetzt bezeichnet Bucuresti, der rumänische Name der Stadt, die Enkel von Bucur. Erstmalig erwähnt wurde sie im 15. Jahrhundert von dem Fürsten Vlad III., dessen Vater Vlad II. durch seine Mitgliedschaft im Drachenorden den Beinamen Dracul trug. Als Sohn des Drachen wurde Vlad III. im rumänischen also Draculea genannt. Seine Feinde wurden qualvoll durch Pfählung hingerichtet und demonstrativ aufgestellt, was ihm den Beinamen Tepes bzw. der Pfähler einbrachte. Die schrecklichen Hinrichtungen kombiniert mit den schaurigen Burgen Transsilvaniens waren vermutlich die Inspiration für Bram Stokers Werk „Dracula“, dessen Romanfigur mit dem echten Fürsten jedoch nichts gemein hat.

Das heutige Stadtbild in Bukarest wird sowohl von französischer Architektur als auch von protzigen kommunistischen Bauten geprägt. Letztere sind während der Diktatur von Nicolae Ceaușescu zwischen 1965 – 1989 entstanden. Ceaușescu ließ in seinem Größenwahn das schwerste und zugleich größte Regierungsgebäude der Welt mit über 3.000 Zimmern errichten. Zudem ließ er eine Straße bauen, die einen halben Meter breiter als die damals größte Straße Europas, die Champs Elysées in Paris, war.

Das größte Regierungsgebäude der Welt

Nach der Tour haben wir uns den Palast, der leider aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen war, angeschaut. Wir brauchten etwa 20 Minuten, um nur zwei Seiten des Gebäudes abzulaufen. Du merkt: das Teil ist echt riesig. Der Anblick ist wirklich Wahnsinn.

Im Viertel Lipscani (zu Deutsch: Leipzig) in der Altstadt haben wir uns ein wenig gestärkt. Da die typische rumänische Küche deftig und sehr fleischlastig ist, mussten wir schon ein wenig suchen, um vegetarische Gerichte zu entdecken. Aber immerhin gab es gutes und vor allem sehr günstiges Bier. Das macht ja auch irgendwie satt 😉

In Lipscani befindet sich der wohl schönste Buchladen, den wir je gesehen haben. Dieser nennt sich Cărturești Carusel und lädt zum ausgiebigen Verweilen ein. Mein Herz ist beim Anblick der unzähligen Bücher ein wenig höher gesprungen.

Um den ersten Tag ausklingen zu lassen, sind wir in den Cismigiu Park gegangen. Er ist der älteste und unserer Meinung nach schönste Park Bukarests. Tausende Blumen, ein See und grüne Wiesen laden hier zum Entspannen ein. Deshalb haben wir uns ein stundenlang auf die Wiese gelegt. Lass dich nicht von den Rumänen verscheuchen. Wir wurden komisch von der Seite angemacht, haben kein Wort verstanden und wurden dann auch in Ruhe gelassen.

Am zweiten Tag haben wir uns dann für die Walking Tour von btrip entschieden, da die Route bei diesem Anbieter eine andere ist. Auch diese Tour war sehr interessant. Wir bekamen so das berühmte Athenäum und weitere Gebäude zu sehen, die uns sonst entgangen wären. Wenn du beide Touren mitmachst, hast du definitiv alles Sehenswerte der rumänischen Hauptstadt zu Gesicht bekommen.

Im Anschluss sind wir in das wohl bekannteste Restaurant Bukarests gegangen. Das Caru‘ cu Bere (Zu Deutsch: Bierwagen) ist ein Brauhaus, welches deftige Küche und – wie der Name schon verrät – selbst gebrautes Bier anbietet. Auch hier mussten wir uns mit Beilagen und Suppe begnügen. Da wird uns bewusst, wie vielfältig Berlin in Sachen vegetarischer Kost ist.

Nach einer kurzen Shoppingtour sind wir mit dem Taxi in Richtung Norden zum größten Park Bukarests gefahren: dem Herastrau. Übrigens sind die Taxifahrten hier sehr günstig und unkompliziert. Bei schönstem Wetter und 20 Grad haben wir ein kühles Getränk genossen und sind durch die weitläufigen Alleen des Parks flaniert. Direkt beim Park befindet sich auch der Triumphbogen Bukarests – etwas kleiner als der in Paris, aber nicht weniger schön.

Raus aus der Stadt

Am Abend sind wir für einen späten Snack in das Hinterhofcafe „Green Café“ gegangen. Dieses ist sehr einladend mit verschiedenen Lichtern hinter einem wunderschönen alten Gebäude. Leider verging uns die gute Laune aufgrund der unglaublich unfreundlichen Bedienung, die als Krönung auch noch unsere Bestellung vergessen hat. Nichtsdestotrotz, die Gemüse-Quesadilla ist dennoch sehr zu empfehlen. Grundsätzlich scheint der Servicegedanke im Gastronomiebereich in Bukarest nicht stark ausgeprägt. Öfters hatten wir das Gefühl, die Kellner hätten keine Lust auf ihren Job und somit auch uns.

Ostersonntag haben wir uns dann für eine Zugfahrt durch die Karpaten nach Brasov entschieden. Unsere Sitzgruppe teilten wir uns mit einer rumänischen Lehrerin, die in Würzburg Mathe unterrichtet und sehr erfreut war, sich mal wieder auf Deutsch unterhalten zu können. Sie hat uns auch bestätigt, dass die Rumänen einfach nicht sonderlich freundlich sind. Immerhin lag es nicht an uns. In Brasov angekommen haben wir aufgrund des Regens direkt ein Restaurant aufgesucht. Hier konnte ein Klassiker der rumänischen Küche, Bohnensuppe im Brotlaib, auch ohne Speck und somit vegetarisch bestellt werden. Nach dem Mittag schien wieder die Sonne und wir konnten uns die kleine gemütliche Altstadt ein wenig anschauen.

Da wir uns trotz Warnung vor Touristenfallen das Schloss Draculas anschauen wollten, sind wir zum Schloss Bran gefahren. Ein schönes Schloss ist es definitiv und auch innen kann man sich ein Weilchen aufhalten. Allerdings waren die Unmengen an Touristen schon leicht anstrengend. Wir sind dann in der Nähe noch in ein Café und haben das typisch rumänische Dessert papanasi cu dulceata si smantana gegessen. Häh, bitte was? Das sind Topfenknödel garniert mit Schmand, Johannisbeeren und Sahne, super lecker!

Unseren letzten Tag mussten wir aufgrund von schlechtem Wetter ein wenig umplanen. Somit entschieden wir uns für ein Escape Game am Vormittag. Dieses haben wir in den vorgegebenen 60 Minuten zu zweit leider nicht ganz geschafft. Spaß hatten wir allemal und können dir den Anbieter Breakout sehr empfehlen.

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Nach unserer Flucht aus dem Batcave 🙂

Am Nachmittag vertrieben wir uns die Zeit erneut in dem schönen Buchladen und in einem Shisha Café. Rückblickend ist Bukarest eine wirklich sehr sehenswerte Stadt. Wer sich für Geschichte und Politik interessiert, sollte definitiv mal einen Abstecher dorthin wagen. Um die tollen Parks genießen zu können, solltest du die Stadt bestenfalls im Frühling oder Sommer besuchen.

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