Weg zum Reisewahn

Erinnerungen aus meiner Kleinheit…

Das ist nun mein erster Blogbeitrag. Wie aufregend! Dann lege ich mal los.

Aber wo loslegen? Erstmal ist es spannend zu klären, wie ich zum Reisen gekommen bin. Das ist gar nicht so einfach zu erklären. Meine Eltern, die in der DDR aufgewachsen sind, haben kleinen unbedeutenden Beitrag dazu geleistet. Schon als ich ganz klein war, sind wir nach Tunesien geflogen. Das war für meine Eltern die erste Reise nach der Wende und für mich die erste außerhalb Europas. Ich war noch nicht mal drei Jahre alt und habe leider keine Erinnerungen. Bis auf eine Einzige! Und zwar meine allererste Erinnerung überhaupt. Als ich etwas älter war, haben meine Eltern und ich uns gemeinsam Videoaufnahmen aus Tunesien angeschaut und ich sah mir dabei zu, wie ich als kleines Mädchen am Pool Pizza esse. Erstmal nichts Besonders, aber plötzlich hatte ich den Geschmack der Pizza wieder im Mund. Das war ein ziemlich abgefahrener Moment.

Ob das nun was mit meiner Liebe zum Reisen zu tun hat, sei mal dahingestellt. Vielleicht ja unterbewusst, wer weiß. Auf jeden Fall waren wir viel in Deutschland und den Nachbarländern unterwegs. Wir besuchten damals für meine Familie exotische Orte wie Paris, London und Mailand und hatten einige Bekanntschaften in Belgien und der Schweiz. Auch diese Begegnungen und Freundschaften haben sicher irgendwie dazu beigetragen, dass ich offen gegenüber anderen Kulturen bin auch wenn die kulturellen Unterschiede damals doch relativ klein waren.

The wild wild West…

Im jugendlichen Alter habe ich mich dann immer mehr für ein Austauschjahr interessiert. Ständig dachte ich darüber nach, wie es wohl wäre, für ein Jahr ganz weit weg von meinem kleinen Heimatort zu leben. Kennst du dieses Gefühl? Hat es dich auch schon in so jungen Jahren gepackt? Mich jedenfalls ziemlich dolle und von einer fixen Idee kam es zu einem greifbaren Plan. Vor allem meine Mutter stand dabei immer hinter mir und hat mich von Anfang bis Ende 100% unterstützt. Somit ging es im Juni 2006 ins Unbekannte. Wahnsinn, jetzt beim Schreiben denke ich nur: „Was das ist jetzt bald elf Jahre her!?“ Solche Gedanken bringen immer ein wenig Melancholie mit sich.

Texas
Mein temporäres zu Hause auf unserer Ranch in Texas

Erst eine Woche vor Antritt meiner Reise wurde mir Bescheid gegeben, in welchen Staat der USA es für mich gehen würde. Mehr wusste ich vor Abreise nicht. Das war alles sehr aufregend und am Flughafen in Deutschland sind sehr viele Tränen geflossen. Im Flugzeug hat aber schnell die Vorfreude überwogen und die Nervosität vor dem Neuen eingesetzt. Nach einem Stopp in Chicago, extremer Müdigkeit mangels Schlaf und einem unendlichen Emotionschaos kam ich endlich in San Antonio, Texas an. Auf dem Weg zu meiner Gastfamilie staunte ich nicht schlecht über all die riesigen Gebäude. Ehrlich gesagt, erschien mir damals einfach alles riesig. Dann musste ich zehn Monate auf einer Ranch mitten im Nirgendwo in der Nähe von Comfort, Texas verbringen. Aus dem ersten Schock wurde aber auch hier schnell Begeisterung und sogar Normalität. Meine Gastfamilie war liebevoll, wenn auch manchmal anstrengend in ihren Ansichten. Damals war Bush noch der amerikanische Präsident und mit meinen Meinungen eckte ich häufig an. In der High School habe ich sehr schnell und einfach Anschluss gefunden. Ich hatte sogar einen amerikanischen Freund, ganz schön cool 😉 Von Heimweh keine Spur. Natürlich habe ich ab und an meine Familie und Freunde vermisst, aber ich wusste immer, dass die Zeit schneller vorbei gehen würde, als mir lieb war. Und so war es letztendlich auch. Der Abschied fiel mehr als schwer.

Dieses Austauschjahr hat mich so bereichert und ich habe unglaublich viel gelernt – angefangen bei der Sprache über andere Esskulturen und einen außergewöhnlichen Schulabschluss bis hin zu Überlebenstipps auf einer Ranch – es war Alles dabei. Was aber noch viel wichtiger war und ist: unzählige Bekanntschaften und einige enge Freundschaften sind in dieser Zeit entstanden. Ein paar wenige Freunde kamen mich in den Folgejahren sogar in Deutschland besuchen, andere Kontakte sind schnell abgebrochen. Nichtsdestotrotz freut es mich immer wieder, wenn ich bei Facebook Fotos meiner damaligen High School Freunde sehe. Selbst wenn der Kontakt mehr oder weniger eingeschlafen ist, kommt ab und an eine Weihnachtskarte von meiner Gastfamilie oder ein Like bei Facebook von einer guten alten Freundin. Ich weiß, wenn ich in Zukunft zu Besuch komme, würden mich einige offene Arme empfangen.

Da war es um mich geschehen…

Die ersten Wochen zurück in Deutschland waren hart. Das Fernweh und die Sehnsucht plagten mich und die Schule machte mir wenig Spaß. Schon in diesen Tagen fasste ich den Entschluss, nach dem Abi nochmals in die USA zu pilgern. Trotz dem ich mich doch relativ schnell wieder einleben konnte und neue Freunde fand, hielt ich an diesem Traum fest. So flog ich im Oktober 2009 nach New York City. Dort besuchte ich mit hunderten anderen Mädchen und ein paar wenigen Jungs die Au Pair Schule, denn die nächsten 12 Monate würde ich auf zwei kleine Mädchen in Philadelphia aufpassen. Naja aus Philly wurde dann letztendlich nichts. Nach nur zwei Wochen kam ich ins Rematch, da meine Gastmutter ein einziger Alptraum war und nach vier Wochen ging es dann zu meiner neuen Familie nach Seattle – ans andere Ende der Staaten.

Seattle
Wunderbare Jahre in Seattle

Über diese Stadt wusste ich so gut wie gar nichts. Ich hatte mal gehört, dass es dort angeblich immer regnet. Keine wirklich erfreuliche Info, um sich auf ein neues „Zuhause“ zu freuen. Die anfänglichen Sorgen waren gar nicht notwendig, denn meine Gastfamilie mit ihren beiden Kindern nahm mich herzlich auf. Innerhalb meines kleinen Städtchens Mukilteo und bei verschiedenen Au Pair Treffen fand ich schnell wunderbare Freunde. Btw, es regnet definitiv nicht die ganze Zeit.

PNW
Atemberaubende Natur in Washington State

Innerhalb weniger Tage war ich verliebt – Seattle und the Pacific Northwest ist und bleibt mein zweites Zuhause. Ich liebe die hügeligen Straßen, die Skyline mit der Space Needle, den lauten Rufe am Pike Place Market, die Sonnenuntergänge über der Olympic Peninsula, die kuriosen Bars im Stadtteil Fremont und die atemberaubende Kulisse des majestätischen Mount Rainiers. Letztendlich blieb ich ganze zwei Jahre und reiste in dieser Zeit so einige Orte und Bundesstaaten ab. In diesen Monaten entwickelte sich meine Leidenschaft zur Natur, zum Wandern und zum Fotografieren. Im Laufe der zwei Jahre passierte so Einiges – ich zog zu einer neuen Gastfamilie direkt in Seattle, fand immer wieder neue Freunde, ließ mich tätowieren, bekam Besuch von meinen Eltern und erlebte zu meinem 21. Geburtstag den schlimmsten Blackout aller Zeiten. Das sind natürlich nur einige meiner unzähligen Erlebnisse, an die ich noch heute oft und gerne zurückdenke. Ausnahme ist der 21. Geburtstag…die Erinnerungen sind wohl auf ewig weg. Seit meinem Umzug zurück nach Deutschland war ich bereits zwei Mal zu Besuch und durfte auch Alex meine zweite Heimat etwas näher bringen.

 

Tausche Millionenstadt gegen Kleinstadt(idyll)

Im Juni 2011 ging es dann zurück nach Deutschland. Vollkommen planlos und mit krassen Kulturschock war ich perfekt gewappnet für die nächsten Monate – not. Nach längerem Hin und Her entschied ich mich für ein Tourismusmanagement Studium in Salzgitter. Du hast keinen Plan wo Salzgitter liegt? Kein Problem, mehr oder weniger unnützes Wissen 😉 Vom wunderschönen kreativen Seattle in ein kleines Städtchen irgendwo am Arsch der Welt. Das war nicht gerade einfach. Im Ghetto, wie wir Studierenden es liebevoll nannten, gab es noch nicht mal eine vernünftige Studentenbar. Geschweige denn hohe Berge oder das Meer. Das alles fehlte mir einfach unheimlich. Aber wie auch in den vorangegangen Lebensabschnitten fand ich auch hier schnell Anschluss und lernte die WG und Wohnheim Parties zu schätzen. Leider leider hat der Studiengang Tourismusmanagement so gar nichts mit dem Reisen zu tun. Deshalb sparte ich jeden Cent, den ich auftreiben konnte, um in den Semesterferien ab ins Weite zu verschwinden. Ab 2012 zog es mich dann in exotischere Gefilde, dazu aber in zukünftigen Beiträgen mehr.

Begleite Alex und mich doch auf unseren Reisen. Wir freuen uns 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s